Säulen meiner Hundeverhaltensänderungsprozesse und Coachings

Grundsätzliches

Es gibt nicht DAS eine Erfolgsrezept, so wie es vielleicht der eine oder andere Hundetrainer verspricht. Ein Verhaltensänderungsprozess und Coaching wird immer individuell und ganzheitlich auf den Hund und Halter zugeschnitten, benötigt oft sehr viel Zeit, Geduld und die starke Compliance des Halters und basiert auf Vertrauen und positive Motivation.

Doch bevor es wirklich losgehen kann, darf sich der Halter wichtige Fragen stellen: Ist das Verhalten des Hundes wirklich eine abnorme Verhaltensauffälligkeit oder vielleicht doch eine ganz normale Erscheinung aus dem Caniden-Alltag und muss „nur“ gemanagt werden?  Welches Ziel soll KONKRET erreich werden, also welches Verhalten soll verändert bzw. abgestellt und – meines Erachtens ganz wichtig -welches Alternativverhalten soll das Hündchen an Stelle dessen zeigen und wie realistisch und artgerecht ist dieses Ziel?

Nach Klärung dieser Fragen widmet man sich dann den einzelnen Säulen der Therapie, die im Folgenden aufgeführt sind.

Gesundheit des Hundes

Man kennt es von sich selbst – wenn man krank, niedergeschlagen oder gereizt ist, ist man nicht oder kaum in der Lage, neues zu lernen und sein Verhalten zu ändern. Und häufig ist eine Erkrankung selbst auch die Ursache von abnormen Verhalten. Continental BulldogsDas ist bei Hunden nicht anders als bei uns Menschen. Deshalb ist eine der Herausforderungen, herauszufinden, ob der betroffene Hund vielleicht eine Erkrankung und/oder Schmerzen hat. Insofern ist als erste Maßnahme ein Gang zum Tierarzt obligatorisch.

Allgemeinuntersuchung, Blutwerte und ggf. auch Hormonstatus sind Grundlage einer Therapie. Mitunter kann es sogar sinnvoll sein, während einer Verhaltenstherapie Medikamente zu verabreichen, die z.B. den Serotoninspiegel des Hundes begünstigen. Ähnliches Vorgehen beobachtet man auch in der Humanmedizin, z.B. bei Depression oder Burnout, Angstsyndrom oder auch Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die Organismen von Hund und Mensch und auch anderen Säugetieren zeigen sehr, sehr viele Parallelen – insbesondere auf neurologischer und hormoneller Ebene.

 

Haltungsbedingungen und Beziehung zum Hund

Eine weitere Säule eines solchen Prozesses sind – wenn nötig – Veränderungen in der Haltung des Hundes. Faktoren wie z.B. Fütterung, Streifzüge/Gassigang, Art- und Rasse- spezifische Beschäftigung und das Vorhandensein von zu vielen Stressfaktoren, z.B. permanente Kommandos, permanenter Trubel durch Kinder in der Familie, generell wenig Ruhe oder auch stressige Familienkonstellationen/Beziehungen darf Beachtung finden.

Auch für diesen Bereich der Therapie und des Coachings darf man sich als Halter verschiedene sehr spannende Fragen stellen: Wie würde sich mein Hund verhalten, wenn es mich als Halter nicht gäbe und der Hund einen anderen Halter hätte? Oder wie würde er seinen Tagesablauf gestalten, wenn er das als freilebender Strassenhund selbst gestalten und für (neurologischen und hormonellen) Ausgleich sorgen könnte? Wie groß sind momentan die Abweichungen dazu?

 

Coaching für den Halter

Die Problemquelle ist in aller Regel nicht der Hund, er gibt nur Feedback auf seine Umwelt und Haltung. Insofern liegt ein hohes Augenmerk auf den Halter und dessen Verhalten. Zum einen dessen Rolle in der Gesamtsituation und in Beziehung zu seinem Hund (z.B. wird Hund eher als Partner oder eher als Untergebner betrachtet) und anderen Familienmitgliedern und Tieren aber auch im direkten Verhalten (Kommandos, Belohnung, Bestrafung etc.) zu seinem Hund. Unter anderem kann die Klärung folgender Fragen eine Rolle spielen:

  • Was hat mich dazu gebracht einen (diesen) Hund in mein Leben zu holen?
  • Wie gehe ich mit meinem Hund um und was bringt mich dazu, so zu agieren?
  • Welche Gefühlswelt bestimmt mein inneres Erleben? Und welche Auswirkung hat dies auf mein Verhalten und im Weiteren auf das Verhalten meines Hunde (und vielleicht auf die anderen Familienmitglieder)?
  • Wie kann ich mich verändern und so eine anderes/gewünschtes Verhalten meines Hundes erreichen?

Konkrete Coaching-Sitzungen können bei Bedarf dazu beitragen, dass der Halter sein inneres Erleben, z.B. bei Hundebegegnungen, positiv verändert, was sich auf das Verhalten des Hundes und den gesamten Ablauf solcher Szenarien begünstigend auswirkt. Unterschiedliche und dem Cochee angepasste Coaching-Techniken kommen bei Bedarf und auf Wunsch dabei zum Einsatz.

Gezielte Trainings

„Sitz“, „Platz“, „Fuß“ und „Komm“ – das sind die Signale, die jeder Hundetrainer zunächst mit dem Halter einübt. Die Schwierigkeit dabei ist, dass man damit zuerst den Schritt vollzieht, der eigentlich erst am Ende kommen sollte.

Es macht wenig Sinn, eine Kommando-Struktur über eine Problem-behaftete Beziehung zu legen und damit zu versuchen, den Hund ins Gehorsam zu bringen. Er wird es zwar bis zu einem gewissen Grad tun, dies allerdings nur aus Angst oder Einschüchterung, was sich wiederum gesundheitlich auf das neuronale System auswirkt. Sobald er die Möglichkeit hat auszubrechen und sich dadurch besser zu fühlen, wird er es tun – da darf man sich sicher sein.

Auch in diesem Punkt „ticken“ Menschen und Hunde gleich: Sie tun tendenziell das, wobei sie sich gut fühlen und vermeiden das, wobei sie sich schlecht fühlen. Und das hat auch seinen biologischen Hintergrund: Ein ausgeglichener (sich gut oder zu mindestens sich besser fühlender) Organismus…

Insofern ist ein spezielles (positiv besetztes) Verhaltenstraining erst dann sinnvoll, wenn die o.g. Schritte vorher erfolgt sind, also (Wieder-) Herstellung der Gesundheit, Schaffung optimaler Haltungsbedingungen und die Klärung der Beziehung des Halters zum und Umgang mit seinem Hund. Der Hund darf sich zunächst mal wohlfühlen und nicht „funktionieren“, letzteres wird er irgendwann fast von allein, weil er es möchte. Es ist ein Unterschied, ob dir dein Hund folgen MUSS oder ob er dir folgen WILL. Und wollen wird er nur, wenn er sich bei Dir und in seinem Umfeld wohl fühlt.

Und erst danach ist es sinnvoll, mit dem „Problemhund“, der eigentlich gar keiner ist, sondern der nur Feedback auf seine Umwelt im Rahmen seiner momentanen Möglichkeiten gibt, spezielle Trainings vorzunehmen.